Wie kann Gott all das Leid in der Welt zulassen? Eine Frage, die nicht an und für sich unberechtigt ist, oftmals aber mit dem falschen Hintergedanken gestellt wird: Dass Gott nur dann gerecht sei, wenn er alles Leid abschaffte. Hier erfährst du drei wichtige Punkte, die du beachten solltest, wenn es um die Frage nach dem Leid und Gottes Gerechtigkeit geht.
Die Frage, warum Gott Leid zulässt, und ähnliche Fragen sind nicht völlig illegitim, wie wir in der Bibel selbst lesen:
HERR, warum stehst du so fern, verbirgst dich in Zeiten der Not?
Psalm 10,1
Deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können; du kannst dem Unheil nicht zuschauen. Warum siehst du denn den Frevlern schweigend zu, während der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er?
Habakkuk 1,13
Die Schreiber dieser Verse waren vom Heiligen Geist inspiriert; sie stellen also diese Frage aus einer ehrlichen Absicht heraus, wahrscheinlich eher mit dem Wunsch, dass Gott eingreifen möge. Oftmals werden Fragen dieser Art aber von Leuten gestellt, die die biblischen Aussagen dazu nicht unbedingt mögen werden. Die selbstgerecht sind und denken, Gott müsse so und so handeln, um gerecht zu sein.
Oftmals rührt die Frage, wie Gott „das Leid in der Welt“ zulassen könne, von einer falschen Vorstellung her, Gott habe der Welt irgendetwas zu schulden.
Da antwortete Hiob dem HERRN und sprach:
Hiob 42,1-3
Ich erkenne, dass du alles vermagst und dass kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.
»Wer verfinstert da den Ratschluss mit Worten ohne Erkenntnis?« Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, Dinge, die mir zu wunderbar sind und die ich nicht begreifen kann!
1. Gott hat niemandem etwas zu schulden
Als Hiob nach einer Antwort von Gott sucht (dabei sich aber kein einziges Mal versündigt gegen Gott bzw. ihn anklagt), bekommt er eine Fragestellung als Antwort:
Gürte doch deine Lenden wie ein Mann! Ich will dich fragen, und du sollst mich belehren!
Hiob 38,3-4
Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt!
Kapitel für Kapitel hält der Herr Hiob seine Schöpfung vor. Die Aussage ist im Grunde genommen: „Schau, Hiob, ich habe alles geschaffen!“
Da antwortete Hiob dem HERRN und sprach:
Hiob 42,1
Ich erkenne, dass du alles vermagst und dass kein Vorhaben dir verwehrt werden kann.
Hiob erkennt einfach an, dass Gott ihn ohne Ursache leiden lassen darf – weil er alles geschaffen hat. Auch wenn Hiobs Situation sehr besonders ist und sich nicht auf das Leid in der Welt allgemein anwenden lässt, können wir doch ein allgemeingültiges Prinzip lernen: Gott hat niemandem etwas zu schulden.
Die Frage, wie Gott „das Leid in der Welt“ zulassen könne, rührt von einer falschen Vorstellung her, Gott habe der Welt irgendetwas zu schulden. Oftmals ist die christliche Antwort, dass das Übel in der Welt durch die Sünde von Menschen hervorgerufen wird. Und auch wenn das sicherlich in den allermeisten Fällen so stimmt und eine wichtige Wahrheit ist, ist es letzten Endes doch eine zu vereinfachte Sicht. Eine Sicht, die dazu verführen kann, Menschen zu beschuldigen, die ihre Schmerzen oder ihre Krankheit nicht verschuldet haben. Denn die Bibel sagt:
Ist jemand von euch krank? Er soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen lassen; und sie sollen für ihn beten und ihn dabei mit Öl salben im Namen des Herrn.
Jakobus 5,14
Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden.
Das Stichwort ist: Wenn. Krankheit kann also mit Sünde zusammenhängen, muss aber nicht. Wir sollten nicht meinen: „Derjenige ist krank, also muss er von Gott gezüchtigt werden.“
2. Leid hat nicht immer eine Ursache
Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, der blind war von Geburt an.
Johannes 9,1
Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, sodass dieser blind geboren ist, er oder seine Eltern?
Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern; sondern an ihm sollten die Werke Gottes offenbar werden!
Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
Die Frage, die Jesu Jünger stellen, ist natürlich schon deshalb unsinnig, weil der Mann blind geboren wurde. Ein Embryo kann wohl schlecht im Mutterleib sündigen. Aber davon abgesehen, ist das eigentliche Problem die Annahme, Leid müsse immer eine Ursache haben. Diese Annahme rührt von einem falschen Verständnis von Gottes Gerechtigkeit her: Dass Gott nur gerecht sei, wenn er Menschen leiden lässt, die es verdient haben. Aber die Verse in Johannes Kapitel neun und das Beispiel von Hiob zeigen, dass Gott auch dann gerecht, wenn er Menschen leiden lässt, die es nicht verdient haben.
Da sprach der HERR zum Satan: Hast du meinen Knecht Hiob beachtet? Denn seinesgleichen gibt es nicht auf Erden, einen so untadeligen und rechtschaffenen Mann, der Gott fürchtet und das Böse meidet; und er hält immer noch fest an seiner Tadellosigkeit, obwohl du mich gereizt hast, ihn ohne Ursache zu verderben!
Hiob 2,3
Der Herr sagt hier gerade heraus, der er Hiob ohne Ursache verdirbt. Das trifft zwar bei weitem nicht auf jeden zu, der Leid erfährt, dass Gott ihn absichtlich leiden lässt. Es ist aber dennoch eine wichtige Wahrheit, die wir in Betracht ziehen müssen, wenn wir uns mit dem Thema des Leides in der Welt beschäftigen. Die Jünger hatten vielleicht den Gedanken, Gott zu rechtfertigen, indem sie den Zustand des Blinden auf Sünde schieben. Wozu das aber letzten Endes führen kann, ist Gott zu beschuldigen – aufgrund einer falschen Vorstellung von Gerechtigkeit. Aber, Punkt 1: Gott hat niemandem etwas zu schulden
Leid kann grundlos sein. Grundlos bedeutet aber nicht sinnlos, denn:
3. Leid ist subjektiv
Auch beim Lachen kann das Herz Kummer empfinden, und die Freude endet in Traurigkeit.
Sprüche 14,13
Man könnte diese Wahrheit auch umdrehen: Ein Mensch kann äußerlich traurig aussehen, innerlich aber zufrieden und dankbar sein. Leid ist subjektiv, und wir sollten niemals denken, dass wir das Leid anderer korrekt bewerten können. Oftmals sind es Menschen, denen es sehr gut geht, die meinen, sie müssten das Leid anderer bewerten.
Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun hat mein Auge dich gesehen.
Hiob 42,5
Auch Hiobs Freunde haben sein Leid bewertet, lagen aber völlig falsch. Hiobs Leiden war tatsächlich grundlos, aber nicht sinnlos. In dem Leid, das er erfahren hat, hat er den Herrn auf tiefere Weise kennengelernt – und wie könnte das nicht positiv sein?
Wir sollten den Herrn dafür preisen, dass er Hiob ohne Ursache hat leiden lassen. Welche großartigen Wahrheiten und Prophezeiungen aus dem Buch Hiob uns entgehen würden, hätte der Herr ihn nicht durch dieses Leid gehen lassen! Aber nicht nur er selbst, sondern auch Hiobs Kinder mussten Leid erleben – grundlosen Tod. Aber keinen sinnlosen Tod:
Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Getreuen.
Psalm 116,15
Hiobs Kinder, die jetzt im Himmel sind, denken mit Sicherheit nicht, dass ihr Leid sinnlos war. Für dich als Christen bekommt Leid einen Sinn:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
Römer 8,28
Nachdem wir Gottes Gerechtigkeit erkennen, dass er niemandem etwas zu schulden hat, dass Leid nicht immer eine Ursache hat und dass Leid subjektiv ist, und somit positiv sein kann, kann trotzdem einer die ehrliche Frage stellen: Warum schafft Gott nicht schon jetzt zu 100% Gerechtigkeit?
Fazit für dich als Christen
Der Herr zögert nicht die Verheißung hinaus, wie etliche es für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass jedermann Raum zur Buße habe.
2. Petrus 3,9
Warum setzt der Herr dem Lauf dieser Welt nicht sofort ein Ende? Wäre es wirklich gut, wenn Gott alle Ungerechtigkeit und Gottlosigkeit abschaffte, ohne noch Geduld zu zeigen? „Er ist langmütig gegen uns, weil er nicht will, dass jemand verlorengehe“ – machte Gott dem Leid in der Welt sofort ein Ende, würden weniger Menschen gerettet werden.
Als Christen müssen wir das Übel in der Welt als Anreiz nutzen, Menschen zu retten, indem wir ihnen das Evangelium predigen – denn das ist der Grund, warum wir jetzt noch keine neue Erde haben, in der Gerechtigkeit wohnt: Gott will, dass ungläubige Menschen noch Zeit haben, an den Herrn Jesus Christus zu glauben. Denn die Qual in der Hölle ist nicht aufzuwiegen mit dem Leid in der Welt.
Predigt zum Thema
Hier eine Predigt zum Thema „Das Leid in der Welt“:
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