Dass die Errettung allein aus Gnade durch den Glauben geschieht, ist ein biblischer Fakt, zu dem wohl jede christliche Denomination zumindest ein Lippenbekenntnis ablegen würde. Aber auch unter bibeltreuen Gruppierungen wie Baptisten existiert teils unklare Lehre über die Errettung im Alten Testament.
Lass es mich vorwegnehmen: Wer lehrt, dass die Errettung im Alten Testament aus Werken geschah, ist nicht gerettet und steht unter Gottes Fluch gemäß Galater 1,8-9: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht!“
„Der sei verflucht“ bedeutet: Gott tue demjenigen Böses an, strafe ihn, ja, sogar töte ihn – der Herr spaßt nicht, wenn es um das Evangelium seines Sohnes geht.
Die falsche Lehre, dass die Errettung im Alten Testament aus Werken geschah, betrifft aber unter Baptisten nur Randgruppen. Ziel dieses Beitrages ist es daher vielmehr, dir als gläubigem Christen ein tieferes Verständnis zu vermitteln über das Verhältnis vom Alten zum Neuen Testament und deinen Glauben zu festigen.
Wenn sie gegen dich sündigen — denn es gibt keinen Menschen, der nicht sündigt…
1. Könige 8,46
Die Sündhaftigkeit des Menschen ist wohl eines der Themen des Alten Testaments schlechthin – schließlich werden wir gleich im ersten Buch der Bibel mit dem Sündenfall konfrontiert und alsbald mit dem Gesetz vertraut gemacht im zweiten Buch Mose (auch wenn zwischen diesen Ereignissen mehrere tausend Jahre liegen). Das führt aber auch verständlicherweise, besonders bei einem neuen Christen, zu der Frage, wie genau Menschen im Alten Testament gerettet wurden. Denn schnell wird deutlich, dass das Alte Testament durch das Gesetz nichts weiter als Verdammnis bietet, da jeder Mensch gegen das Gesetz Gottes verstoßen hat.
Was ist das Alte Testament
An der Stelle sollten wir aber zuerst definieren, worum es sich genau handelt bei dem Alten Testament (genau genommen ist es nicht einfach der erste Teil der Bibel). In Hebräer 8,8-9 heißt es:
Denn er tadelt doch, indem er zu ihnen spricht: Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde;
nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen — denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der Herr
Das Gegenstück zu dem Neuen Bund (d.h. Testament), den der Herr im Propheten Jeremia verheißen hat, ist also der Bund, den Gott mit den Kindern Israels geschlossen hat, als er sie aus Ägypten befreit hatte. Beachte, dass dieser erste Bund, das Alte Testament, also erst ziemlich spät in der Menschheitsgeschichte hinzugefügt wurde – davor gab es kein Altes Testament, und seit dem Neuen Testament ist dieser alte Bund wieder vorbei (Hebräer 8,13). Die Wortwahl „hinzugefügt“ denke ich mir dabei nicht aus, sondern Galater 3,19 sagt:
Wozu nun das Gesetz? Der Übertretungen wegen wurde es hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheißung gilt, und es ist durch Engel übermittelt worden in die Hand eines Mittlers.
Dienst der Verdammnis
Das Alte Testament besteht im Grunde genommen im Gesetz Moses und ist ein Bund, den Gott mit den Kindern Israels geschlossen hat, dass sie Gottes Nation auf Erden sein sollten (nicht ohne Grund bezeichnet Jesus den ersten Teil der Bibel als „Gesetz und Propheten“, da das Gesetz charakteristisch ist für das Alte Testament – s. Mat. 5,17-18). Diese Nation sollte ihren Bestand nicht in rein weltlicher politischer Führung, sondern in der Einhaltung von Gottes Geboten haben. Das ist der wesentliche Unterschied zum Neuen Testament, in dem es kein physisches Volk Gottes auf Erden mehr gibt, sondern ein geistliches Volk aller Christen, die aufgrund ihrer Errettung zu diesem Volk gehören, und nicht aufgrund ihres Gehorsams. Es ist also offensichtlich, dass das Alte Testament nicht die Frage der Errettung behandelt, sondern vielmehr menschliche Bosheit aufzeigt und dadurch Gottes Gerechtigkeit lobt (Römer 3,5).
Wenn aber der Dienst des Todes durch in Stein gegrabene Buchstaben von solcher Herrlichkeit war, dass die Kinder Israels nicht in das Angesicht Moses schauen konnten wegen der Herrlichkeit seines Antlitzes, die doch vergänglich war,
2. Korinther 3,7-9)
wie sollte dann nicht der Dienst des Geistes von weit größerer Herrlichkeit sein?
Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit hatte, wie viel mehr wird der Dienst der Gerechtigkeit von Herrlichkeit überfließen!
Die Bibel geht sogar so weit, das Gesetz als Dienst des Todes und Dienst der Verdammnis zu bezeichnen. Nicht eindeutiger könnte es sein, dass das Alte Testament also keinerlei Errettung bietet. Es handelt sich bei dem ersten Bund um erstens, einen zeitlich begrenzten Bund, der „hinzugefügt“ wurde, zweitens, um ein Testament, das das Bestehen des damaligen Israels definierte und auf menschlichem Gehorsam beruhte, drittens, um Gottes perfektes Gesetz, das unsere Sünde überaus sündig macht und einem jeden Sünder seine Verdammnis insbesondere aufzeigt.
Berühmte Gläubige des Alten Testaments
Wir haben also das Alte Testament kurz definiert und abgegrenzt vom Neuen Testament und können jetzt unsere Frage präzisieren: Wie wurden Menschen vor der Zeit des Neuen Testaments gerettet und zu Zeiten, als es das Alte Testament gab? Denn denke daran, das Alte Testament bzw. das Gesetz wurde erst später in der Menschheitsgeschichte hinzugefügt, und auch während es das Alte Testament gab, gehörten längst nicht alle Menschen zu diesem Bund.
Wir lesen von Noah, der Gnade fand in den Augen Gottes – lange vor dem Alten und Neuen Testament. Von König Salomo, der für den Fremdling betete, der nach Jerusalem zum Tempel käme, dass er Vergebung fände – der Fremdling, der zu Zeiten des Alten Testaments lebte, aber nicht Teil des Volkes Gottes war, da er bspw. nicht beschnitten war. Dann wäre da noch die Königin des Südens, die den Herrn pries über die Weisheit und Herrlichkeit Salomos; die „im Gericht auftreten [wird] gegen dieses Geschlecht und es verurteilen [wird]“ (Matthäus 12,42a). Alle diese Menschen und Personengruppen waren gerettet, bzw. konnten Errettung finden, wie die Fremdlinge, die nach Jerusalem kamen, um den Herrn anzubeten. Personen, die sowohl vor Zeiten des Alten und Neuen Testaments als auch zu Zeiten des Alten Testaments lebten, ohne dabei unbedingt zum Volk Israel dazuzugehören.
Glaube im Alten Testament
Für dich als hoffentlich wiedergeborenen Christen ist es keine Überraschung, dass Gottes Gnade schon immer für jeden Menschen galt. Da wäre Noah, wie soeben erwähnt. Wir lesen im ersten Buch Mose, dass Menschen den Herrn anriefen (1. Mose 4,26) – dieselbe Art und Weise, wie wir jetzt zu neutestamentlichen Zeiten gerettet werden. Und zu guter Letzt die wichtigsten Verse zur Errettung vor dem Neuen Testament:
Und Abram glaubte dem HERRN, und das rechnete Er ihm als Gerechtigkeit an.
1. Mose 15,6
Wenn nämlich Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.
Römer 4,2-3
Denn was sagt die Schrift? »Abraham aber glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«.
Dieselbe Errettung wie im Neuen Testament: Aus Gnade durch den Glauben. Die Liste an Versen ließe sich fortsetzen, aber wie zu Beginn erwähnt, ist das Ziel dieses Beitrages vielmehr, dein Verständnis zu vertiefen, wie Altes und Neues Testament zusammenhängen – und wie Gläubige aus alttestamentlichen Zeiten genauso wie wir zum Neuen Testament dazugehören. Wozu wir gleich kommen.
Und damit wären wir wieder bei Galater 1,8-9 angelangt: Kein anderes Evangelium. Damit wären wir bei einer ewigen frohen Botschaft angelangt, ewig, weil es keine andere gibt (Offenbarung 14,6). Weil nur das Blut Jesu uns von unseren Sünden waschen kann.
Christen des Alten Testaments?
Wenn also Menschen zu Zeiten vor dem Neuen Testament eindeutig gerettet wurden, müssen wir schließen, dass es Christen vor dem Neuen Testament gab. Nicht, dass sie damals so genannt wurden, aber es ist trotzdem wahr, dass jeder Gläubige des Alten Testaments im Himmel ist und dem Herrn dient und somit natürlich ein Christ ist. Es muss wahr sein, dass jeder Gläubige aus damaligen Zeiten genauso zum Neuen Bund gehört wie wir als neutestamentarische Christen.
„Du willst also sagen, dass es das Neue Testament schon gab zu Zeiten des Alten Testaments?“ Genau. Wie sonst könnte Jesu Tod rückwirkend für die damaligen Gläubigen gelten, wenn sie nicht als Erben des Neuen Testaments eingetragen gewesen wären? Denn das ist es, was die Bibel lehrt:
Darum ist er auch der Mittler eines neuen Bundes, damit — da sein Tod geschehen ist zur Erlösung von den unter dem ersten Bund begangenen Übertretungen — die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen.
Hebräer 9,15
Wir lernen also aus diesem Vers, dass erstens, Jesu Tod geschehen ist zur Erlösung von den unter dem Alten Testament begangenen Übertretungen und zweitens, es schon Erben gab.
Angenommen, ich schreibe mein eigenes Testament. Nun, ich muss das zu Lebzeiten tun, logisch. Mein Testament existiert also schon bevor ich sterbe. Es gibt schon Erben, die ich benenne, bevor ich sterbe. Bevor mein Testament in Kraft tritt und meine Erben ihr Erbe empfangen.
Gott hat das Testament seines Sohnes zu Lebzeiten aufgesetzt, ansonsten gäbe es gar kein Neues Testament. Ein Toter kann kein Testament mehr schreiben. Es heißt weiter in Hebräer Kapitel 9:
Denn wo ein Testament ist, da muss notwendig der Tod dessen eintreten, der das Testament gemacht hat;
Hebräer 9,16-17
denn ein Testament tritt auf den Todesfall hin in Kraft, da es keine Gültigkeit hat, solange derjenige lebt, der das Testament gemacht hat.
Wir lernen aus diesen Versen, dass das Neue Testament also schon existiert hat, es aber erst in Kraft trat, als Jesus gestorben ist. Wenn wir von Gläubigen vor dem Neuen Testament sprechen oder Christen des Alten Testaments, meinen wir also nicht, dass das Neue Testament gar nicht existiert hat, sondern es war noch nicht gültig. Denk daran: Errettung gibt es nur durch das Evangelium von Jesus Christus, nur durch sein Blut.
Denn unmöglich kann das Blut von Stieren und Böcken Sünden hinwegnehmen!
Hebräer 10,4
Wenn es das Neue Testament nicht schon gegeben hätte, gäbe es auch keine Erben, dann wären alle alten Gläubigen jetzt in der Hölle. Aber was sagt Hebräer 9,14? Dass es schon Erben gab. Und rückwirkend gilt Jesu Tod genauso für sie wir für uns, da Gott außerhalb von Raum und Zeit steht.
Unser Privileg als Christen des Neuen Testaments
Ich kann dir also aufgrund von Gottes Wort mit Sicherheit sagen: Es gibt nur Christen im Himmel – egal, ob sie vor, unter oder nach dem Alten Testament gestorben sind. Eine an und für sich einfache Wahrheit, aber realisiere, was das bedeutet: Das Neue Testament gab es schon. Rief ein Mensch unter dem Alten Bund den Herrn an, und vertraute in seinem Herzen, dass er ihn retten würde, wurde er als Erbe gerechnet. Ihm wurde Gottes Gerechtigkeit zuteil, genauso wie uns. Er kannte nicht die genauen Details, wie der Herr ihn retten würde, er kannte nicht den Namen seines Sohnes (Sprüche 30,4), aber der Modus der Errettung war derselbe.
Dieser Erbe war aber noch wie ein Kind. Unmündig, nicht imstande, selbstständig sein Leben zu führen, sondern sein Leben wurde vom Gesetz Moses bestimmt, dem er dem Buchstaben nach zu folgen hatte. Taten die Kinder Israels das nicht, waren sie nicht mehr Gottes Volk und wurden vom Herrn verstoßen in Bezug auf ihren Status als Volk Gottes (5. Mose 28,9 – der Status als heiliges Volk Gottes war an ihren Gehorsam gebunden). Die Erlösung selbst war natürlich schon immer ewig.
Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, besteht zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr aller Güter ist;
Galater 4,1-2
sondern er steht unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Zeit.
Das auf bestimmte Zeit hinzugefügte Gesetz zeigt menschliches Versagen und Bosheit auf, die ultimativ ihren Tiefpunkt fand in dem Geschrei der Juden: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!“ (Matthäus 27,25). Die endgültige, irreversible Verwerfung Israels als Volk Gottes hat die Versöhnung der Welt zur Folge (Römer 11,15). Wir als Christen aus allen Völkern haben das Privileg, unter dem jetzt gültigen Neuen Testament zu leben, in dem wir nicht mehr unmündige Erben wie Knechte sind, sondern den Geist des Sohnes Gottes in unseren Herzen haben (Galater 4,6) und Gott die vom Gesetz geforderte Gerechtigkeit in uns erfüllt, die wir im Geist wandeln (Römer 8,4) – denn wie sich Gottes Gnade und Erlösung nie verändert, gibt es auch keinen Schatten infolge von Wechsel (Jakobus 1,17) in Bezug auf Gottes Moral und Gerechtigkeit – im Gesetz Moses niedergeschrieben.
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